Standpunkte der Burschenschaftlichen Gemeinschaft

Die Burschenschaft ist über die fast zwei Jahrhunderte ihrer Existenz konstant für eine Reihe von politischen Zielen eingetreten. Darunter ist nicht nur das Eintreten für  das Selbstbestimmungsrecht zu verstehen. Dieses bildet nur den Überbau:

Viel wichtiger für das Funktionieren einer Demokratie sind die Rahmenbedingungen, die die Burschenschaft sehr früh erkannt und postuliert hat. Erinnert sei hier nur an die Grundsätze und Beschlüsse des 19. Oktobers, die das Denken der Burschenschaft seit der Gründung bestimmen:

 1.       Staatliche, wirtschaftliche und kirchliche Einheit
 2.       Einheitliches deutsches Recht
 3.       Verfassungsmäßige Erbmonarchie
 4.       Rede- und Pressefreiheit
 5.       Gleichheit vor dem Gesetz
 6.       Selbstverwaltung
 7.       Öffentliche Gerichtsverfahren und Geschworenengerichte
 8.       Allgemeine Wehrpflicht
 9.       Keine Mitwirkung bei einem Bruderkrieg
10.      Selbstbewußte Machtpolitik

Auch heute noch sind diese Grundsätze, die die Rechte und Pflichten des Volkes beinhalten, nicht überholt, sondern müssen nur an die modernen politischen Gegebenheiten angepaßt werden. Im Folgenden sollen sie nun näher erläutert werden:

1. Staatliche, wirtschaftliche und kirchliche Einheit
Während vor 180 Jahren noch die Kleinstaaterei Deutschlands das bestimmende Moment war, sind heute die territoriale Saturiertheit Deutschlands, Europa und ein unter dem Stichwort Subsidiarität falsch verstandener Regionalismus bestimmend in der politischen Diskussion.
Grundlegend für die Burschenschaftliche Gemeinschaft ist dabei, daß keine freiwillige Abtretung der Ostgebiete stattgefunden hat und somit eine einseitige Verletzung des Völkerrechts vorliegt. Dennoch respektiert die BG die durch den sogenannten 2+4-Vertrag garantierten Grenzen, wenngleich sich ihrer Ansicht nach ein friedliches Zusammenwachsen der europäischen Völker auf gleicher Augenhöhe im Rahmen der Europäischen Union ohne Beseitigung der Benes-Dekrete nicht entwickeln kann.
Weiterhin unterstützt die Burschenschaftliche Gemeinschaft den volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff ohne Rücksicht auf staatliche Gebilde und deren Grenzen. Einen Regionalismus, der zurück in die geistige Enge der Kleinstaaterei führt, lehnen wir ebenfalls bewußt ab. All dies darf aber nicht als Gegnerschaft gegen Europa  falsch verstanden werden. Einem Europa der Nationen steht die Burschenschaftliche Gemeinschaft positiv gegenüber, solange es sich nicht nur um eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft handelt.
Die totale Ökonomisierung der Lebensverhältnisse erzeugt zunehmend ein wirtschaftliches Ungleichgewicht der sozialen Gruppen und einzelnen Schichten des deutschen Volkes. Die Verantwortung der deutschen Wirtschaft für die Versorgung des Volkes mit Gütern und Arbeit darf dabei nicht übersehen werden.

2. Einheitliches deutsches Recht
Schon die Urburschenschaft sehnte sich nach einem einheitlichen Recht in Deutschland. Ein Unterfangen, daß in einem wild wuchernden Regionalismus mit eigenen gesetzlichen Bestimmungen in jedem Land ins Gegenteil umgekehrt wurde.

3.Verfassungsmäßige Erbmonarchie und demokratische Republik
Die Monarchie wurde 1918 durch die Staatsform der demokratischen Republik ersetzt. Die BG befürwortet deswegen eine verfassungsmäßige Demokratie, in der allen Teilen des deutschen Volkes die gleichen Möglichkeiten zur Teilnahme an der Macht offenstehen.

4. Rede- und Pressefreiheit
Im 19. Jahrhundert mußten die Burschenschaften die Freiheit des gesprochenen und geschriebenen Wortes erkämpfen. Doch auch heute versucht die Politik und andere Einflußkreise, die Unabhängigkeit der veröffentlichten Meinung erneut in Frage zu stellen. Diesem Vorgehen und auch der Verdrängung mißliebiger Meinungen muß die Burschenschaft beherzt entgegentreten.

5. Gleichheit vor dem Gesetz
Vor einhundertachtzig Jahren wußte die Burschenschaft noch die Privilegien des Adels einzuschränken, heute sind es Polit- und Parteifunktionäre, Wirtschaftsmagnaten und andere Lobbyisten, die durch Günstlingswirtschaft, Nepotismus und anderen Machenschaften die Gleichheit des Volkes aushebeln. Gerade von Ihnen erwartet die BG Pflichterfüllung, Ehrhaftigkeit und Anständigkeit.

6. Selbstverwaltung
Früher ging es um die Emanzipierung der Städte und Dörfer von der Abhängigkeit und Selbstgefälligkeit des adeligen Grundherren. Heute geht es um die Bewahrung der Unabhänigkeit des Bürgers gegen Regulierungsflut und Vereinheitlichungstendenzen des Gesetzgebers.

7. Öffentliches Gerichtsverfahren und Geschworenengerichte
Die BG fordert die völlige Unabhängigkeit der Judikative von den Einflüßen der Exekutive, sei es durch die Besetzung der Richterposten durch genehme Parteimitglieder oder direkten Druck im Prozeßverlauf. Weiterhin geht es ihr um Aufhebung der undemokratischen Zwangsgesetze von 1945-1950.

8. Allgemeine Wehrpflicht
Die Forderung nach allgemeiner Wehrpflicht führte zum Untergang undemokratischer Söldnerheere, die der Landesherr auch gegen sein Volk einsetzen konnte. Die Wehrpflicht macht dabei einen Teil der Pflichten aus, die der mündige Bürger für sein Vaterland erbringen muß. Angesichts der neuerlichen Diskussion und der mangelnden Wehrgerechtigkeit hat dieses Thema eine neue Aktualität erhalten. Die Wiedereinführung eines Berufs- oder Söldnerheers muß deswegen zum Schutze unserer Demokratie mit allen Mitteln verhindert werden.

9. Keine Mitwirkung bei einem Bruderkrieg
Ursprünglich wollte diese Bestimmung verhindern, daß deutsche Volksstämme einander bekämpfen. Heute geht es um die Herstellung einer Solidarität zwischen den deutschen Staaten und um die Nichtbeteiligung an eventuellen Kriegseinsetzen, die nicht im Interesse des deutschen Volkes unternommen werden.

10. Selbstbewußte Machtpolitik
Gerade durch die Wiedervereinigung der "DDR" mit der Bundesrepublik Deutschland hat das neue Deutschland einen Stellenwert in Europa, der einer deutschen Machtpolitik bedarf. Die Integration der osteuropäischen Staatenwelt und Rußlands erfordert, daß Deutschland sich seiner Aufgaben bewußt wird und seine gewachsenen Machtressourcen zum Vorteil des eigenen Volkes einsetzt.

Die Erläuterungen können nur sehr holzschnittartig die Standpunkte der Burschenschaftlichen Gemeinschaft beleuchten. Sie bedürfen in Zukunft immer wieder der Überprüfung, Erweiterung und aktiven Prägung.