9. November 1989: Fall der Mauer

Auch nach massiven Bürgerprotesten im Oktober 1989 und dem Besuch des sowjetischen Staatspräsidenten Gorbatschow, der mit den Worten „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ die Durchführung der dringend benötigten Reformen angemahnt hatte, hielt Erich Honecker an seiner Politik fest. Deswegen mußte er unter dem Druck der Massendemonstrationen am 18. Oktober 1989 vom SED-Politbüro durch Egon Krenz ersetzt werden. Dieser versprach eine demokratische Erneuerung des Sozialismus. Trotzdem marschierten weiter Demonstranten durch die Städte der „Deutschen Demokratischen Republik“, die kommunale Verwaltung begann sich aufzulösen und wurden durch „Runde Tische“ ersetzt. Die "DDR"–Regierung versuchte der Lage noch einmal Herr zu werden, indem sie ein bürokratisches Reisegesetz präsentierte, um die Gemüter zu beruhigen. Doch den Menschen reichte dieser noch vor einem Jahr sensationelle Schritt nicht mehr. Die "DDR"- Regierung trat am 7. November 1989 geschlossen zurück.

Am Abend des 9. November teilte schließlich ein Mitglied des SED-Politbüros mit, ab sofort bestehe Reisefreiheit. Nach dieser Ankündigung strömen Tausende zur Berliner Mauer. In dem Chaos der Menschenmassen wurden schließlich die Grenzübergänge von der Volkspolizei freigegeben. Das Unvorstellbare war geschehen. Die Mauer zwischen zwei deutschen Staaten war gefallen. Die Menschen konnten es nicht fassen. Als im Bundestag die Sensation bekannt wird, stimmen die Abgeordneten spontan die Nationalhymne an. Eine Gefühlswelle, wie es sie seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat, erfaßt das ganze deutsche Volk. Hunderttausende und bald Millionen von Deutschen strömen in den folgenden Tagen in einen Teil ihrer Heimat, der ihnen bis jetzt verwehrt war. „Wir grüssen unsere deutschen Landsleute“, so und so ähnlich lauteten die Spruchbänder die an Autobahnbrücken oder auf rasch gezimmerten Tafeln an Ortseingängen standen. Die Wiedervereinigung der Menschen hatte begonnen, am 3. Oktober 1990 folgte ihr die staatliche. Die Bundesrepublik und die "DDR" waren nach über 40 Jahren Teilung wieder vereint.