9. November 1923: Hitler-Putsch
1923 war ein sehr kritisches Jahr für die junge Republik. Sowohl die politische Linke als auch rechte Gruppierungen und Separatisten versuchten die demokratische Ordnung in Deutschland zu zerstören. Den Höhepunkt der Krisen bildete jedoch der Putschversuch der bereits 55.000 Mitglieder starken NSDAP. Zudem hatten sich in Bayern paramilitärische Verbände wie die SA im sog. „Deutschen Kampfbund“ organisiert. Geführt wurde dieser Verband von den beiden profilierten rechtsradikalen Führern Hitler und Ludendorff. Hitler, der schon als „deutscher Mussolini“ gefeiert wurde, plante mit seinen Paladinen einen „Marsch auf Berlin“ durchzuführen um die verhasste Demokratie zu stürzen.
Die Machthaber in Bayern, der Generalstaatskommissar von Kahr, der Landeskommandant Bayerns von Lossow und der Landespolizeichef von Seißer bildeten das sog. „Triumvirat“, daß zwar dem Reich distanziert gegenüberstand, aber gleichzeitig mit dem Reichswehrminister von Seeckt zusammenarbeitete. Sie standen Hitlers Plänen ablehnend gegenüber.
Trotzdem ergriff Hitler am 9. November – dem Tag der „nationalen Schmach von 1918“ die Initiative. Er versuchte die Anhänger von Kahrs, die sich am Abend des 8. November im Bürgerbräukeller versammelt hatten, für sich zu gewinnen. Dazu ließ er das Lokal von SA umstellen, den Eingang durch ein Maschinengewehr bewachen und schoß schließlich um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen mit einer Pistole in die Decke. Dann proklamierte er die „nationale Revolution“, kündigte die Bildung einer nationalen Regierung an, und erklärte die Reichs- und bayrische Regierung für abgesetzt. Ludendorf und Hitler versuchten nun das „Triumvirat“ zur Teilnahme an dem Marsch auf Berlin und der neuen Regierungsbildung zu überreden.
Kahr, Lossow und Seißer gingen zum Schein auf das Bündnis ein, was das Publikum begeistert aufnahm. Die SA nahm daraufhin noch einige Geiseln, um notfalls Druck auf die drei neuen „Verbündeten“ ausüben zu können. Diese jedoch trafen noch in derselben Nacht Maßnahmen, um den Putsch zu verhindern. Obwohl die SA in der Nacht noch die Redaktionsräume der Tageszeitung „Münchner Post“ verwüstet hatte, musste Hitler schließlich erkennen, daß seine Bündnispartner ihn betrogen hatten.
Er veranlaßte daraufhin am Mittag einen spontanen Demonstrationsmarsch des „Deutschen Kampfbundes“. Dieser mehrere tausend Menschen umfassende endete jedoch abrupt vor der Feldherrenhalle, wo die Landespolizei Absperrungen errichtet hatte. Es kam zu einem Schußwechsel, bei dem 14 Demonstranten und drei Polizisten ums Leben kamen.
Hitler floh wie die meisten seiner Parteifreunde aus München und wurde drei Tage später verhaftet. Er war der Hauptangeklagte des Hochverratsprozeßes, der gegen die Täter angestrengt wurde. Der Prozeß wurde jedoch von Hitler genutzt, um die Republik rhetorisch zu bekämpfen und seinen Bekanntheitsgrad zu steigern.
Am 1.April 1924 wird das Urteil gefällt. Ludendorff wird freigesprochen. Hitler erhält 5 Jahre Festungshaft, wird aber nach 6 Monaten bereits entlassen.
Die Ausweisung nach Österreich wird mit der Begründung abgelehnt, diese Maßnahme sei bei einem Mann „der so deutsch denkt und fühlt wie Hitler“ und sich durch einen „rein vaterländischen Geist und edelsten Willen“ auszeichnet, nicht opportun.
