9. November 1918: Ende der Monarchie - Ausrufung der Republik

Nachdem am 29./30. Oktober die Matrosen der Hochseeflotte in Kiel und Wilhelmshaven gemeutert hatten, war die Revolution am 9. November bis nach Berlin vorgedrungen. Revolutionäre Mitglieder der Spartakusgruppe riefen mit Unterstützung der MSPD, der Gewerkschaften und der aufrührerischen Soldaten den Generalstreik in allen größeren Betrieben aus. Arbeiter- und Soldatenräte wurden gebildet, wichtige Gebäude wie das Polizeipräsidium besetzt. Die Innenstadt bevölkerte sich mit Massen von Demonstranten. Schließlich verließ die MSPD auf Druck der Straße die Reichsregierung.

Der amtierende Reichskanzler Prinz Max von Baden versuchte jedoch immer noch die Monarchie zu retten. Er beschwor den in das „Große Hauptquartier“ geflohenen Kaiser Wilhelm II. mehrfach, abzudanken und die Regentschaft einem Regenten zu übergeben, der den Vorsitzenden der MSPD Friedrich zum Reichskanzler ernennen und eine „verfassungsgebende deutsche Nationalversammlung“ einberufen sollte.

Um 11.30 Uhr erklärte er durch Lage in Berlin dazu bewegt eigenmächtig den Thronverzicht des Kaisers und des Kronprinzen. Um 12 Uhr forderte Friedrich Ebert Prinz von Baden dazu auf, die Regierungsgeschäfte zu übergeben. Ebert versicherte die Verfassung erhalten zu wollen, räumte aber ein  keine Garantie für die Monarchie ausstellen zu können. Nach einer kurzen Beratung willigte Max von Baden schließlich ein.

Der neue Reichskanzler veränderte die Zusammensetzung des Reichskabinetts kaum, stellte aber dem preußischen Kriegsminister und dem Stadtkommandanten von Berlin Kontrolleure der MSPD zur Seite. Zugleich versprach er den erregten Massen die Bildung einer Volksregierung, den Friedensschluß die Sicherung der  Freiheit und des Eigentums und die Wahl einer Nationalversammlung unter erstmaliger Beteiligung der Frauen. Er forderte aber auch dazu auf, die Ruhe zu bewahren, die Straßen zu räumen, um damit die Nahrungsmittelversorgung nicht zu gefährden. Die baldige Rückkehr der Frontsoldaten wurde auch in Aussicht gestellt.

Die von Revolutionären aufgehetzten Demonstranten jedoch wollten einen radikalen Wandel. Um 14 Uhr ließ sich Philipp Scheidemann, durch die Stimmung der Massen bewegt, zur Ausrufung der „Deutschen Republik“ von einem Fenster des Reichstages aus hinreißen. Er verkündete den begeisterten Demonstranten nach 47 Jahren das Ende der Monarchie im Deutschen Reich. Er versprach die Bildung einer Regierung aus allen sozialistischen Parteien und die Kontrolle des Militärs durch sozialistische Beauftragte.

Die Reaktion Friedrich Eberts war allerdings ablehnend: „Du hast kein Recht, die Republik auszurufen! Was aus Deutschland wird, ob Republik oder was sonst, entscheidet eine Konstituante (Nationalversammlung).

Um 16 Uhr proklamierte Karl Liebknecht, der Vorsitzende des „Spartakusbundes“ vom Balkon des Berliner Stadtschlosses die „freie sozialistische Republik Deutschland“. Das Ende des Kapitalismus sei gekommen, das Proletariat habe die Herrschaft übernommen und somit sei die „Vollendung der Weltrevolution“ das neue Ziel. Die Zerwürfnisse der Sozialdemokratie sind schon deutlich sichtbar. Dennoch versuchte Ebert ein Regierungsbündnis zwischen MSPD und USPD gegen die linksradikalen Revolutionäre herbeizuführen. Dies gelang jedoch nur durch massive Zugeständnisse an die USPD. Zunächst sollten alle wichtigen Entscheidungen von einem Kongreß der deutschen Arbeiter- und Soldatenräte getroffen werden, die Wahl einer Nationalversammlung wurde zurückgestellt. Von beiden Parteien wurde in der Folge ein paritätisch besetztes Kabinett unter der Bezeichnung „Rat der Volksbeauftragten“ gebildet.

Am 10. November legte Wilhelm II. den Oberbefehl nieder und ging nach Holland ins Exil.